Sei liebevoll umarmt

 

Ihr kennt bestimmt den Spruch:

„Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat's einfach gemacht.“

 

Wie können wir die Angst vor Lebensentscheidungen, die größere Veränderungen nach sich ziehen, überwinden?

Mit dem Willen ist das nicht möglich. Bevor wir die Angst loslassen können, müssen wir sie zuerst beobachten und zulassen. Wir spüren oft den inneren Impuls, hören die innere Stimme die uns zuflüstert unser Handeln zu verändern, neue Erfahrungen möglich zu machen und dadurch dem Leben eine neue Richtung zu geben. Aber weil wir möglicherweise dadurch Nachteile erleiden könnten, lassen wir es doch lieber sein und kehren mit tausend „plausiblen“ Erklärungen in unseren wohlvertrauten „Käfig“ der alten Verhaltensweisen zurück.

 

Denn solange wir die Folgen des neuen Handelns nicht voraussehen können, ist es schwer die bequeme, alte Lebensweise zu verabschieden. So wie die Hasen, die schon sehr lange im Käfig leben. Wenn man dann die Tür des Käfigs plötzlich offenlässt, bleiben sie trotzdem drin hocken, aus Angst vor der Freiheit und allen Unsicherheiten und Gefahren die sie mit sich bringen könnte.

 

Der buddhistische Mönch Thich Nhat Hanh, dessen Schriften ich immer wieder gerne im Yogaunterricht zitiere, schreibt darüber in seinem Buch „Sei liebevoll umarmt“ folgendes:

„Es gibt zwei Arten von Hindernissen in uns. Das erste sind unsere Emotionen, die uns in Bedrängnis bringen und das zweite sind unsere Gedanken und Vorstellungen. Die Emotionen sind aber nur ein kleiner Teil dessen was uns ausmacht. Wir sind viel mehr als das. Eine Emotion kommt, bleibt eine Zeit und verschwindet dann wieder. Jede Emotion verändert sich, auch eine, die sehr intensiv ist und uns wie ein Orkan ergreift.

 

Unsere Gedanken und Vorstellungen wandern in der Vergangenheit oder in der Zukunft, wir sind mit Analysen, Ängsten und Sorgen, mit unseren Projekten oder mit unserem Kummer beschäftigt. Wenn dauernd ein Endlosband in unserem Geist abläuft, bleiben wir in Gedanken gefangen.

 

Schauen wir auf einen Baum der in einem Sturm steht: Die Äste werden im Wind hin und her geworfen. Doch der Stamm ist fest verwurzelt. Wenn uns ein solcher Sturm ergreift, sollten wir nicht in unseren Kopf gehen, wo unsere Gedanken umherwirbeln wie die Blätter im Wind. Sie hindern uns daran, frei zu sein und die Wahrheit zu erkennen.

 

Wenn wir uns in Zweifeln, Verwirrung oder Angst verlieren, brauchen wir eine Zuflucht. In unserem Inneren liegt eine wunderschöne Insel, zu der wir immer Zuflucht nehmen können. Es ist ein sicherer Ort, an dem wir uns ruhig und glücklich fühlen. Immer wenn schwierige Lebensentscheidungen getroffen werden müssen, sollten wir uns daran erinnern, zu uns selbst nach Hause zurückzukehren und dort Zuflucht zu nehmen.

 

Wir können uns selbst jeden Moment entscheiden, wo wir sitzen wollen: auf einer Lotusblüte oder auf glühenden Kohlen. Wenn Du statt auf glühenden Kohlen auf einer friedvollen Lotosblüte sitzen würdest, würde sich Deine Welt sofort verändern.“

 

Diese Gedanken vom Thich Nhat Hanh möchte ich euch gerne als Inspiration für die Kontemplation und tägliche Meditation weitergeben. Seine Art die gelebte Spiritualität und tiefe Lebensweisheiten auszudrücken ist authentisch und lebensnah. Jeder Mensch kann es verstehen und sich selbst darin erkennen.

Thich Nhat Hanh weist uns den Weg nach innen, zurück zu uns selbst, zum Ort der Ruhe in uns. Wenn wir uns dort auf die friedvolle Lotusblüte setzen, können wir mit dem Fluss des Lebens angstfrei fließen und alle Herausforderungen, die uns auf dem Lebensweg begegnen, mit offenem Herzen umarmen. 

-- Sanja


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Ekagrata Yoga
Sanja Müller-Hübenthal

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